„Nucleotid“ 1998

Nucleotid

100x100x100 cm

Nucleotid

NUCLEOTID

Skulptur konkret – Reichersberg, 22.April 2010.

Auszug aus der Eröffnungsrede von Stefan Rammer

[ … ] Oliver Bischof passt wunderbar in diese Reihe skulpturaler Kunst. Auch er arbeitet mit den elementaren, den überall vorkommenden einfachen Komponenten. Nichts ist schwerer als das Leichte. Und das dass Leichte ganz schwer sein kann, offenbart diese mit naturwissenschaftlichen Mitteln betriebene Bildhauerei auf den ersten Blick. Der offene, geschlossene, der senkrecht oder in die Ebene sich verlängernde Kreis, Linien, die sich zu geometrischen Körpern formen. Ein Kommen, ein sich Annähern, ein Überspringen, ein Überlappen und wieder Weggehen, massives Material biegt sich wirft Falten, wie eine Welle, vom Wind getrieben und verworfen. Oliver Bischof nimmt einen Faden auf, der obwohl zentnerschwer, leicht und filigran Dynamik und Kraft zum Ausdruck bringt. Oben und unten sind austauschbar. Der Einlass kann Ausgang sein, in jedem Fall aber ist der Fortgang kein Spaziergang und die Auf- oder Einrisse haben es in sich. Oliver Bischof arbeitet mit raumgreifenden Materialien. Schmieden, walzen, sägen, schneidbrennen, fräsen, brechen, biegen, spalten oder flämmen. Zerlegung, Teilung, Subtraktion, Division, das ermöglicht bildnerische Entwicklung ins Bizarre, Räumliche, Konstruktive.  Oliver Bischof bewegt sich zwischen den Polen Maß und Material, Proportion und Prozess. Verformung, Verwundung, Störung treten an gegen die sichere Ordnung von Geometrie und Stereometrie, Struktur und Serialität. Schwer kalkulierbare Risse und Spaltungen lassen erahnen, wie nah Destruktion und Anarchie sind. Ausgehend von abstrakten Plastiken liegt der Schwerpunkt in der spielerischen Auseinandersetzung mit Ausstellungssituationen und den Sehgewohnheiten der Betrachter. Meine Damen und Herren, das ist Kopfkino. Das sind Bilder, die zwar stehen bleiben, aber mit der Kraft der eigenen Fantasie zu laufen beginnen können.

„Durch Einsatz sämtlicher raumgreifender Materialien (Klang, Licht, Beton, Blei, Holz, Fotografie, usw.) entstehen jeweils ortsbezogene Arbeiten und Werkgruppen. Von Bedeutung ist das Ausloten unterschiedlichster Grenzen (naturwissenschaftlich, kulturgeschichtlich, theologisch …)“ so lesen wir auf seinem Eintrag in kunstvorarlberg.at. Mit scheint, dass wir da einem Künstler begegnen, der stets schwanger geht mit seinen Ideen, der mit dem Material schon ringt, bevor er es in Händen hält, der im Kopf schon die Linien komponiert und einen Hochseilakt bestreitet, bei dem er balanciert zwischen Konstellationen, Widerstandsenergien und Bewegungspotenzialen. [ … ].